Dein Lebensmärchen – Tiefenpsychologischer Ansatz

Dieses Lebensmärchen habe ich selbst einmal verfasst

Was ist Dein Lebensmärchen? Schreibe mir gerne einen Kommentar oder sende mir Dein Lebensmärchen. Nur Mut – Es gibt viel zu entdecken 🙂

Titel: Auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens

Es war einmal ein kleines Mädchen. Das war immer sehr neugierig und abenteuerlustig. Es wollte die Welt entdecken. Und so geschah es eines Tages, dass das Mädchen beim Spielen im Garten eine seltsame Entdeckung machte. Zunächst wunderte es sich, als es unter dem Rand eines Steines etwas hervorblitzen sah. Ja, irgendwie glitzerte und blinkte es ganz herrlich.

Das kleine Mädchen merkte, wie ein aufgeregtes Kribbeln durch seinen Körper lief und wie die Neugier in ihm wuchs. Es musste herausfinden, was es mit dem Glitzern von diesem kleinen Fetzen unter dem Stein auf sich hatte.


Mit vor Aufregung zitternden Händen versuchte es den schweren Stein zu bewegen, was das Mädchen einiges an Mühe und Anstrengung kostete.
Aber dann, endlich konnte es den Stein anheben und so Stück für Stück ein schmutziges, altes Papier darunter hervorziehen. Das kleine Mädchen war enttäuscht, denn eigentlich hatte es einen Schatz erwartet und jetzt war da nur so ein altes, gammeliges Stück Papier.
Na, gut, wenn ich mir schon die Mühe gemacht habe, dachte es, dann kann ich mir das Papier ja auch einmal näher anschauen.
Das schon vergilbte Papier war aus Pergament und deshalb auch sehr dünn. Als das Mädchen es auffaltete, staunte es nicht schlecht. Auf dem Papier war eine Karte abgebildet. Aber komisch, irgendetwas auf der Karte kam ihm sehr bekannt vor.
Ja genau, dort oben in der Ecke war ein Baum abgebildet, der sah haargenau so aus, wie die alte Eiche, die ganz hinten in der Ecke in ihrem Garten stand.

Vor der Eiche hatte sie sich schon immer ein wenig gefürchtet, denn manchmal in der Dämmerung sah sie aus wie ein Troll. Und zwar so einer, wie der Troll, von dem ihr Opa immer sprach, wenn er ihm manchmal Geschichten erzählte von den Tieren im Wald. Mit denen hatte er nämlich schon einmal Weihnachten gefeiert.
Der Opa besuchte die Tiere jeden Tag auf seinem abendlichen Spaziergang. Das Mädchen erinnerte sich genau an die vielen spannenden Erlebnisse, von denen er morgens beim Frühstück berichtete. Wie oft hatte er einen Riesenspaß beim Tanzen und Spielen mit den vielen lustigen Tieren, vor allem mit seiner Freundin, dem Eichhörnchen.
Aber es gab auch Tiere, vor denen musste man sich in Acht nehmen und eines davon war der Wolf. Er hatte rote Augen und wohnte in einem Loch unter dem Troll-Baum.
Vor dem Wolf hatte das kleine Mädchen arge Angst. Manchmal lag er abends sogar direkt auf dem Boden neben ihrem Bett und schaute es grimmig an, aus seinen roten Augen.

Was sollte es nun tun, fragte sich das kleine Mädchen. Es schaute sich noch einmal die Karte an und an vereinzelten Stellen sah es noch etwas von dem Glitzer, der es vorhin sie neugierig gemacht hatte, bevor es den Stein anhob.
Mmmh, dachte es, irgendwie sieht das aus wie ein Weg, aber es fehlen einzelne Weg-Stücke. Und wo führt dieser Weg hin?
Komisch dachte es.

Die vielen Gedanken ließen das kleine Mädchen, Klara hieß sie übrigens, nicht mehr los.
Klara verspürte das unbändige Gefühl zu der alten Eiche in der Gartenecke laufen zu müssen, auch wenn sie sich ein wenig fürchtete. Zudem wurde es schon wieder dunkler. Klara fasst sich ein Herz und ging zu dem Baum.
Je näher sie kam, desto unheimlicher fühlte sich Klara, aber irgendetwas zog sie wie magisch zu dem Baum hin.
Als das kleine Mädchen direkt vor dem Baum stand erschauerte es, der Baum sah schon sehr furchterregend aus, besonders jetzt wo durch die Dämmerung schon viele Teile im Schatten lagen. Die Äste sahen teilweise aus wie Tentakeln, die sie schon einmal bei einem Meerestier gesehen hatte, in einem Comicfilm. Das war lustig, fuhr es Klara durch den Kopf und sie musste unwillkürlich lachen.

Plötzlich hörte sie ein lautes Poltern und dumpfes Schmatzen.
„Na Klara“, tönte es tief aus der hohlen Eiche, „was gibt es denn so zu lachen?“

Klara gefror das Blut in ihren Adern. Sie erstarrte regelrecht und wagte es nicht, sich auch nur ein Stück weiter zu bewegen, fast hätte sie auch aufgehört zu atmen. Das musste der Wolf sein, fuhr es ihr durch den Kopf. Das hast Du nun von Deiner Neugier, spotteten ihre Gedanken. Jetzt wird er gleich aus dem Loch herausspringen und Dich auffressen.

„Klara“, flüsterte der Baum nun erneut, allerdings etwas ungeduldiger und drängender als beim ersten Mal. „Sagst Du mir jetzt bitte warum Du eben noch so laut gelacht hast und nun regelrecht dastehst wie eine Salzsäule?“. Klara zögerte.
„Na komm schon“, bettelte die Eiche nun etwas sanfter, „ich habe schon so lange nicht mehr gelacht“.
Klara fasste etwas Zutrauen, erinnerte sich und begann langsam die Geschichte von dem Tintenfisch aus dem Comic zu erzählen. Der mit den vielen Tentakelarmen, die fast so ähnlich aussahen, wie die Äste der alten Eiche. Bei dem Gedanken musste Klara unwillkürlich erneut kichern, begann nun aber endlich der alten Eiche von dem Tintenfisch zu erzählen und welche große Freude es ihm immer bereitete die vielen anderen bunten kleinen Fische im Meer zu erschrecken.

Eines Tages, als der Tintenfisch sich wieder einmal langweilte, machte er genau das, was er immer tat, wenn er sich in dieser trägen, lustlosen Stimmung befand.

Er machte sich auf den Weg zum Korallenriff, wo die vielen bunten kleinen Fische lebten. Dort angekommen hatte er natürlich, wie immer, die gemeine Absicht, die Fischlein zu erschrecken und in ihrem emsigen Alltagstrott zu stören.

Unauffällig und geschickt versteckte er sich hinter einem Stein direkt vor dem Riff. Die vielen bunten Fischchen waren gerade wieder einmal dabei, sich aus den Korallen ihr Futter zu angeln und dachten an nichts Böses.
In dem Moment schoss der Tintenfisch hinter dem Stein hervor und rief: „Buaaah“ und fuchtelte wie wild mit seinen Tentakelarmen. Die kleinen Fische erschraken fürchterlich und versteckten sich so schnell wie sie nur konnten.
Einer der kleinen Fische, genannt Nano, war etwas mutiger als die anderen. Er hatte wirklich die Nase voll von den ewigen Spielchen, die der Tintenfisch mit ihm und seinen Freunden trieb. „Na warte“, dachte er so bei sich, denn er wusste, dass Tintenfische am Hinterkopf furchtbar kitzelig waren.
Nano schwamm ganz vorsichtig von hinten an den Tintenfisch heran und glitt dann blitzschnell zu seinem Hinterkopf. Er wusste genau, wo der Tintenfisch am empfindlichsten war und kitzelte ihn mit seiner Flosse was das Zeug nur so hielt.

Schon musste Nano sich beeilen und aufhören mit dem Kitzeln, denn der Tintenfisch begann bereits zu zucken, in wenigen Sekunden würde er sich nicht mehr beherrschen können und anfangen fürchterlich zu lachen. Nano sah zu, dass er so schnell wie möglich wieder wegkam und versteckte ich hinter einem großen Wal, der etwas verdutzt aber amüsiert das ganze Schauspiel beobachtet hatte.

Der Tintenfisch schüttelte sich vor Lachen versprühte seine komplette Tinte in alle Richtungen. Dabei verschwand er selbst, voll Ärger, in seiner eigenen dunklen Tintenwolke. Er konnte nichts mehr sehen und war hilflos gefangen in seinem eigenen Dunst.

Die vielen kleinen Fische applaudierten und lachten alle aus vollem Hals und sagten, „siehst Du“, das hat man davon, wenn man andere ärgert“. „Jeder hat einen wunden Punkt, egal ob er groß ist wie Du, Tintenfisch, oder ganz klein wie wir“.

Als die dunkle Tinte sich so langsam legte, verzog sich der Tintenfisch mürrisch und machte sich alleine und geschlagen auf den Weg nach Hause. Die kleinen Fische aber feierten gemeinsam. Endlich hatten sie den lästigen Tintenfisch in seine Schranken verwiesen.

Die alte Troll-Eiche lachte aus tiefster Wurzel und krümmte sich in alle Richtungen, als Klara mit ihrer Geschichte endete. Die Eiche hatte einen regelrechten Lachanfall und neigte sich dabei beängstigend und auch gefährlich weit zur Seite. Klara dachte nur: „Auh Backe“, „gleich fällt der alte Baum um, wenn er sich nicht endlich beruhigt“.

„Hallo“, rief es da plötzlich. „Haaallooo“, krächzte es schon wieder. „Kann man denn hier niemals seine Ruhe haben!“.
Klara lief ein wenig um die Eiche herum und suchte, woher dieses seltsame Jammern und Krächzen stammte. Ungläubig und erstaunt blieb sie stehen und beobachtete, wie sich ein seltsames Geschöpf unter einer Wurzel der Troll-Eiche hervorzwängte. Klara staunte über das, was da zum Vorschein kam. Es war tatsächlich ein kleiner Drache, nur einen Kopf größer als Klara. Mit seinen großen runden freundlichen, aber sichtlich verschlafenen Augen, blickte er Klara an. „Ich versuche hier meinen 1000-jährigen Zauberschlaf zu genießen und jetzt habt ihr mich mit eurem Getöse aufgeweckt.

Klara hatte an diesem Abend schon so viele seltsamen Dinge erlebt, dass sie sich kaum noch wunderte, als sie nun auch noch einen kleinen Drachen kennenlernen durfte, der in diesem Moment etwas unbeholfen und trotzig vor ihr stand.
„Also“, sagte der kleine Drache und strich sich dabei über seine zackige Mähne, „was willst Du, denn ich muss dringend meinen Schönheitsschlaf vollziehen und Du hast mich jetzt dabei gestört“.

„Oh, das wollte ich nicht“, sagte Klara. „Es ist nur so, heute habe ich diese Karte hier im Garten unter dem Stein gefunden und dann bin ich zur alten Eiche gelaufen, und…“, Klara erzählte dem kleinen freundlichen Drachen die ganze Geschichte und als sie endete sagte sie, „ich wüsste so gerne wohin der Weg führt, der auf der Karte ist, aber ich kann ihn nicht erkennen“.

„Das ist ganz normal“, sagt der kleine Drache, „keiner kann den Weg sehen, denn er führt zum Geheimnis des Lebens“. „Dem Geheimnis des Lebens“ rief Klara neugierig und ihre Augen wurden ganz groß vor Erstaunen. „Ja genau, dem Geheimnis des Lebens“, antwortete der Drache. „Was ist denn das Geheimnis des Lebens?“, fragte Klara ganz aufgeregt. „Na ja, so ganz genau weiß ich das auch nicht“, entgegnete der kleine Drache, wobei er die Schultern hochzog und unsicher mit dem Kopf schüttelte. „Aber ich erinnere mich, dass ich eines Abends einmal von der alten Nachteule ganz zufällig einen Traum belauscht habe“. Der kleine Drache war etwas beschämt, weil er seine große Neugier nur allzu gut kannte, versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen und setzte einen unschuldigsten Blick auf, während er mit den Füßen im Gras scharrte. Mit leiser Stimme, wobei er seine Arme beschwörend in die Luft hob, fuhr er fort und sagte: „In jener Nacht hat die Eule gemurmelt: „Ach wie gut, dass niemand weiß, was es mit dem Geheimnis des Lebens auf sich hat. Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich jeder wüsste, was genau er im Leben will und wie genau er es erreichen kann; dann hätte die Suche ein Ende und wir Lehrer wären mit unseren guten Ratschlägen völlig überflüssig, ein grauenhafter Gedanke“. Der kleine Drache beendete seine Erzählung und ließ die Arme wieder sinken.

„Mmmh, sagte Klara und kratze sich dabei nachdenklich am Kopf, „Was ich will, das weiß ich schon, aber wie genau ich es bekommen kann, das weiß ich leider nicht. Was muss ich denn tun, um den Weg erkennen zu können, der zum Geheimnis des Lebens führt?“ „Nun, das kann ich dir schon verraten“, sagt der kleine Drache, „Du brauchst die Brille“. „Welche Brille“, rief Klara und sprang ganz aufgekratzt in die Höhe. „Na die Zauberbrille von der alten Nachteule“, entgegnete der kleine Drache etwas besserwisserisch. „Oh“, sagte Klara und fügte hinzu, „Kann ich mir die mal ausleihen von der Eule“. „Tja“, sagt der Drache und sah dabei sehr nachdenklich aus, „das wird schwierig, aber ich habe da eine Idee“. „Die Nachteule ist ja schon ziemlich alt und auch recht kurzsichtig“ bemerkte er, „deswegen braucht sie auch die Zauberbrille“, fügte er hinzu. „Aber immer, wenn es Vollmond ist, dann kann sie die Brille endlich mal für einen Moment ablegen, weil es so hell ist, dass sie auch ohne die Brille herumfliegen kann. Das solltest Du mal sehen, wenn sie ohne Brille unterwegs ist. Normalerweise ist sie ja immer etwas steif und verklemmt, aber wenn sie ausnahmsweise einmal keine Brille trägt, dann fliegt sie durch die Vollmondnacht, dreht Purzelbäume in der Luft, kichert und ist total albern. Irgendwie ist das total peinlich sie zu beobachten, weil sie dann irgendwie, das genaue Gegenteil von dem ist, was man normalerweise von einer anständigen Nachteule erwartet“, schloss der kleine Drache seine theatralischen Ausführungen.

„Aha“, sagte Klara völlig unbeeindruckt und fragte: „Wann ist denn das nächste Mal Vollmond?“.
„Du wirst es nicht glauben“, sagte der kleine Drache, „direkt heute Nacht ist wieder Vollmond“.
„Und wie komme ich zu der Eule“, fragte Klara. „Das ist gar kein Problem“, sagt der kleine Drache und warf sich dabei stolz in die Brust. „Ich kann Dich hinfliegen“. „Hinfliegen“, fragte Klara ungläubig. „Ja hinfliegen“, entgegnete der kleine Drache. „Komm jetzt, steige einfach auf meinen Rücken, wir müssen uns beeilen, der Mond geht bald auf“, drängte der Drache.
Klara kletterte auf den Rücken des Drachen und sie erhoben sich zunächst etwas holprig in die Lüfte. Der kleine Drache hatte ja lange geschlafen und musst erst einmal wieder geschmeidig werden in seinen Drachenflügeln. Aber schon bald flog er wie ein geölter Blitz und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Es waren zwar keine Blitze, aber es sah fast so aus, denn immer, wenn er lachen musste und er musste scheinbar ständig lachen, vor allem wenn er Loopings drehte, dann spie er kleine Feuerfontänen. Klara und der kleine Drache hatten einen Riesenspass und die Zeit verging im Fluge. Schon bald waren Sie an dem Wald angekommen, in dem die Eule lebte. Der Drache landete auf einem Ast und deutet auf ein Nest hoch oben in der Baumkrone.

„Siehst Du das Nest dort oben?“, fragte er Klara, während er mit seinen großen Augen nach oben schaute. Klara folgte seinem Blick und nickte. „Da wohnt sie, die Eule. Lass uns vorsichtig nach oben fliegen“, sagte der Drache. „Aber pass auf, dass Du nicht wieder Feuer speist, wir müssen vorsichtig sein“, entgegnete Klara.

Der kleine Drache landete sanft auf dem Ast mit dem Nest und siehe da, die Eule schien schon unterwegs zu sein. Die Zauberbrille lag unbewacht mitten im Nest. „Greif zu“, sagte der kleine Drache, während er wachsam die Umgebung inspizierte. „Na mach schon“, drängt er die scheinbar erstarrte Klara nun ängstlich. Blitzschnell und mutig ergriff Klara die Brille und im gleichen Moment flog der Drache geschwind davon bis sie sich außer Reichweite fühlten und an einen Berg kamen. Da ließ sich der Drache nieder und Klara stieg hinunter von seinem Rücken. Erst jetzt zog sie die Brille auf und kramte in ihrer Tasche nach dem kleinen Pergamentfetzen.

Welch ein Wunder, Klara hatte das Gefühl in eine andere Welt einzutauchen. Plötzlich konnte sie den kompletten glitzernden Weg auf der Karte erkennen.
Der Weg führte über viele Berge und Täler in ein geheimes Land zu einem verwunschenen alten Schloss.
Steig auf“, rief der kleine Drache und holte Klara wieder in die Realität zurück. „Wir sind ein Team. Du studierst die Karte und leitest mich auf dem Weg, während ich Dich sicher hinfliege“. „Das ist eine sehr gute Idee“, lobte Klara den kleinen Drachen, der sichtlich errötete.

Klara stieg erneut auf den Rücken des Drachen und sie verbrachten viele Wochen auf ihrem Weg zu dem Schloss, in dem das Geheimnis des Lebens gut versteckt sein sollte. Während ihrer Reise dorthin, erlebten die beiden viele Abenteuer. Manchmal war es auch ganz schön gefährlich und sie wussten nie, was der nächste Tag für sie bereithielt, aber es war immer spannend und aufregend und sie fühlten sich lebendig und unaufhaltsam. Endlich kamen Sie zu dem Schloss. Der kleine Drache begab sich in den Sinkflug mit Kurs auf das ersehnte Ziel. Dann landeten sie.

Aber wie ging es nun weiter, die Karte war hier zu Ende. Sie suchten nach einem Hinweis und liefen dabei um das Schloss herum, bis sie zu einem Seerosenteich kamen. Auf einmal begann sich, die zunächst glatte Wasseroberfläche zu wölben und kleine Wellen entstanden. Klara und der kleine Drache staunten andächtig, als plötzlich ein Hologramm über der Wasseroberfläche erschien. Es enthielt in deutlichen Worten die Nachricht: „Suche die rote Tür“.

Sogleich machten sich Klara und der kleine Drache auf den Weg nach der roten Türe. Es dauerte eine ganze Weile, aber schließlich trafen Sie auf die Türe. Knallrot, massiv und mit schmiedeeiseren Beschlägen verziert. Darüber eine Aufschrift in alter schnörkeliger Schrift: „Öffne diese Türe und Du erfährst das Geheimnis deines Lebens. Aber sei gewarnt, Du wirst nie wieder irgendein Geheimnis entdecken können, weil Du schon alle Geheimnisse kennen wirst. Wenn Du erst einmal die Klinke heruntergedrückt hast, gibt es kein Zurück mehr. Du wirst alles Gute aber auch alles Schlechte in Deinem Leben sofort wissen. Dein Lebensweg wird sich mit dem Öffnen der roten Türe, wie ein Film vor Deinen Augen offenbaren.

Klara spürte, wie eine unbändige Neugier in ihr wuchs. Sie legte ihre Hand auf die Klinke und hatte diese schon bis zur Hälfte heruntergedrückt, als eine innere Stimme sie davon abhielt. „Warte Klara“, sagte diese Stimme ganz sanft. Klara kannte diese Stimme, denn sie hatte Klara schon oft vor Unheil bewahrt. “Denk mal darüber nach“, fuhr die Stimme fort. „Willst Du wirklich schon alles wissen, was das Leben für Dich bereit hält?.  Erinnere Dich doch nur einmal, an all die vielen schönen Abenteuer die Du bereits erlebt hast. Natürlich wäre es in manchen Situationen auch gut gewesen, wenn du schon vorher gewusst hättest, wie sie ausgehen.

Und vielleicht hättest Du dann auch einen anderen Weg eingeschlagen. Aber sei einmal ganz ehrlich, hättest Du dann nicht auch eine Menge toller und unerwarteter Erlebnisse verpasst. Überlege einmal, wie oft du manchmal nicht wusstest, was tun solltest oder was das Richtige ist und Du deshalb auch manchmal einen Umweg gehen musstest. Wenn Du Dir diese Situationen noch einmal vor Augen führst, stimmt es dann nicht, dass sich im Nachhinein gerade der Umweg als goldrichtig erwiesen hat?

Klara war mehr und mehr verunsichert und lies abrupt die Klinke los. Stimmt dachte sie, soll ich wirklich auf alle Überraschungen verzichten und immer schon vorher wissen was sich in jedem Geschenk verbirgt. Wo bleiben denn da die Spannung und der Spaß? Das ist ja todlangweilig.

Klara haderte mit sich und sagte schließlich zu dem kleinen Drachen: “Weißt Du was kleiner Drache, ich kann es nicht und ich will es auch nicht. Ich kann die Türe nicht öffnen, so neugierig ich jetzt auch sein mag, denn ich liebe Abenteuer. Es ist besser wir lassen das Geheimnis, Geheimnis sein und fliegen wieder zurück.
„Was“ rief der kleine Drache sichtlich ungläubig und enttäuscht. „Jetzt sind wir so nah dran und Du kriegst kalte Füße“ Na den ganzen Weg hätten wir uns dann ja auch sparen können und ich hätte in Ruhe meinen Zauberschlaf fortsetzen können“, fügte er mürrisch hinzu.

„Ja, auf der einen Seite hast Du recht“, entgegnete Klara. „Aber auf der anderen Seite bin ich Dir auch sehr dankbar, denn ich liebe Überraschungen, das ist mir heute klar geworden. Und damit habe ich heute mein eigenes Geheimnis des Lebens kennengelernt und dafür bin ich Dir sehr dankbar“, beendete Klara ihre Entschuldigung

„Na wenn das so ist“, sagte der kleine Drache mit hängenden Schultern und etwas müde, „dann hat dieses Abenteuer ja doch noch einen Sinn gehabt“. „Komm lass uns beeilen“, drängte er, „die Nachteule will bestimmt ihre Zauberbrille wieder haben“. Klara merkte, wie müde der kleine Drache wirklich war und wie sehr er endlich nach Hause wollte um seinen Zauberschlaf unter der alten Troll-Eiche fortzusetzen.
„Ja“, sagte sie, „Du hast recht“. Dabei gähnte sie und stieg auf den Rücken des Drachen. Der kleine Drache erhob sich in die Lüfte und sie flogen glücklich und zufrieden in einen wunderschönen Sonnenuntergang Richtung Heimat.

Sybille Kern©

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